Ein moderner Drucker ist ein vernetzter Computer mit eigener Festplatte, Firmware und Zugang zum Firmennetzwerk. Druckersicherheit sorgt dafür, dass dieses Gerät genauso konsequent abgesichert wird wie jeder Laptop oder Server. Denn gerade im Mittelstand wird diese Lücke in der IT-Sicherheit häufig übersehen.
Warum sind Drucker ein unterschätztes Sicherheitsrisiko?
Technisch gesehen ist ein Multifunktionsdrucker kein Peripheriegerät mehr, sondern ein vollwertiger Computer. Er verfügt über eine Festplatte, ein Betriebssystem, eine Netzwerkkarte und häufig eine Verbindung zum Active Directory. Damit ist er ein Endgerät wie jeder Laptop, wird aber nicht entsprechend behandelt. Server und PCs werden gepatcht und überwacht. Drucker hingegen laufen häufig jahrelang mit der Firmware aus dem Auslieferungszustand. Genau diese ungepatchten Geräte vergrößern die Angriffsfläche und eröffnen Wege, die klassische, softwarebasierte Schutzmaßnahmen gar nicht erfassen.
Die Zahlen sind eindeutig: 67 Prozent der Organisationen meldeten 2024 mindestens einen Datenverlust über den Drucker; 2023 waren es noch 61 Prozent (Quocirca, 2024). Im Mittelstand liegt der Anteil mit 70 Prozent höher als bei Großkonzernen mit 63 Prozent. Die Angriffsfläche wächst also und wächst dort am schnellsten, wo die IT-Teams klein sind.
Das eigentliche Problem ist die Lücke zwischen Wissen und Handeln. So spielen nur 36 Prozent der IT-Verantwortlichen Firmware-Updates für ihre Drucker zeitnah ein und lediglich 38 Prozent legen Sicherheitsanforderungen gemeinsam mit den Fach- und Beschaffungsteams fest (HP Wolf Security Studie 2025). Mehr als die Hälfte (51 %) kann nicht einmal sicher sagen, ob ein Gerät bei Herstellung oder Transport manipuliert wurde. In dieser Lücke können Angreifende ungestört arbeiten.
Angriffsvektoren und typische Schwachstellen
Angriffe auf Drucker sind selten spektakulär. Sie nutzen schlicht die offenen Stellen aus. Die häufigsten Einfallstore lassen sich klar benennen.
Die häufigsten Schwachstellen
- Standard-Administratorpasswort nie geändert
- Veraltete Firmware ohne regelmäßige Updates
- Offene Schnittstellen sowie Netzwerk- und Verwaltungsports
- Unverschlüsselte Übertragung der Druckdaten
- Dokumente ungeschützt auf der internen Festplatte
- Ausdrucke bleiben im Ausgabefach liegen
Aus diesen Schwachstellen ergeben sich konkrete Angriffswege, auf die Angreifende zurückgreifen. Dazu zählt das Lateral Movement. Dabei nutzen sie eine ungepatchte Lücke, wie etwa einen Authentifizierungs-Bypass, um vom kompromittierten Drucker weiter ins Firmennetz zu gelangen. So wird aus einem einzelnen Gerät ein Einstieg in die gesamte Infrastruktur. Oft genügt aber schon weniger. Über die im Jahr 2025 veröffentlichte Schwachstelle CVE-2024-51977, von der 748 Gerätemodelle mehrerer Hersteller betroffen waren, lassen sich Modell, Firmware-Stand, IP-Adresse und Seriennummer eines Geräts ohne Anmeldung auslesen. Ein klassischer Fall von „Information Disclosure”. Wer Zugriff auf das lokale Netz hat, kann außerdem unverschlüsselte Druckaufträge mitlesen oder umleiten (Man-in-the-Middle).
Und manchmal braucht es gar keine Technik. Ein manipuliertes Gerät vor Ort oder ein abgefangener Ausdruck im Ausgabefach reicht bereits aus. 70 Prozent der IT-Verantwortlichen sorgen sich inzwischen um solche Offline-Risiken (HP Wolf Security 2025).
Besonders tückisch ist der physische Weg, denn dafür braucht es keine Angreifenden mit Fachwissen, sondern nur einen unachtsamen Moment. Ein vergessener Ausdruck mit Kündigungen oder Lohnabrechnungen im Fach stellt bereits einen meldepflichtigen Datenschutzvorfall dar.
Wie schützen Unternehmen ihre Drucker?
Ein wirksamer Schutz beginnt bei den Grundlagen und ist zunächst kostengünstig. Die meisten Maßnahmen greifen sofort:
- Zugangsdaten ändern: Standardpasswörter sofort ersetzen und Admin-Zugänge einzeln vergeben.
- Firmware aktuell halten: Updates in den regulären Patch-Zyklus aufnehmen.
- Netz segmentieren: Drucker gehören in ein eigenes VLAN, nicht in dasselbe Segment wie Server und Clients.
- Pull-Printing einführen: Ausdrucke erst nach Anmeldung am Gerät freigeben.
- Daten verschlüsseln: Übertragung und Festplatte absichern und den Speicher regelmäßig löschen.
Der wirksamste Einzelschritt für den Büroalltag ist das Follow-Me-Printing. Dabei wird der Druckauftrag zentral zurückgehalten und erst dann ausgegeben, wenn sich die Person an einem beliebigen Netzwerkdrucker authentifiziert. So liegt kein Dokument mehr herrenlos im Fach und jeder Ausdruck lässt sich einer Person zuordnen. Der Nebeneffekt zahlt sich doppelt aus, da vergessene Druckaufträge wegfallen und der Papier- und Tonerverbrauch spürbar sinkt.
Wichtig bleibt die ehrliche Einordnung. Technik allein reicht nicht aus. Der beste Authentifizierungsschutz nützt wenig, wenn die Firmware nicht aktualisiert wird oder die Belegschaft das System umgeht. Druckersicherheit ist zur Hälfte eine Frage der Prozesse und nicht nur der Geräte.
Was verlangen NIS 2 und Datenschutz bei Druckern?
Ein Drucker, der personenbezogene Daten verarbeitet oder speichert, unterliegt denselben Regeln wie jedes andere System auch. Der Bitkom-Leitfaden „Sicherheit von Drucksystemen“ nennt in diesem Zusammenhang das BDSG, die DSGVO und § 203 StGB. Ein Multifunktionsgerät, das ungeschützt Personaldaten oder Patientenakten auf der Festplatte speichert, stellt somit ein konkretes Compliance-Risiko dar und kann im Ernstfall einen meldepflichtigen Vorfall darstellen.
Mit NIS 2 kommt eine zweite Ebene hinzu. Die Richtlinie verpflichtet viele mittelständische Unternehmen zu einem Risikomanagement über die gesamte IT. Zu den geforderten Maßnahmen zählen eine Risikoanalyse, die Behandlung von Sicherheitsvorfällen und die Absicherung der Lieferkette. Ein vernetzter Drucker gehört zu dieser IT, auch wenn er in der Inventarliste oft fehlt. Wer seine Angriffsfläche für NIS 2 bewertet, muss deshalb auch die Druckinfrastruktur einbeziehen und das Gerät genauso inventarisieren, patchen und überwachen wie jeden Server. Sonst bleibt die Bewertung lückenhaft.
Druckersicherheit im Mittelstand einführen
Viele Ratgeber listen zwanzig Maßnahmen auf, was jedes kleine IT-Team überfordert. Folgende Maßnahmen sollten sie der Reihe nach angehen:
Bestand aufnehmen
Zuerst zählt, was überhaupt im Netz hängt. Erfassen Sie jedes Gerät mit Modell, Standort, Firmware-Stand und Netzwerkzugang. Diese Liste ist die Grundlage für alles Weitere und deckt oft schon vergessene Altgeräte auf.
Quick Wins umsetzen
Danach folgen die Quick Wins. Ändern Sie Standardpasswörter, aktualisieren Sie die Firmware und schalten Sie nicht benötigte Dienste ab. Das kostet wenig und schließt die häufigsten Lücken.
Nachhaltig absichern
Erst dann lohnen sich die größeren Schritte wie Netzsegmentierung, Follow-Me-Printing und ein Managed-Print-Konzept, das Sicherheit und Betrieb dauerhaft zusammenführt. Auch das Ende des Lebenszyklus gehört dazu. 86 Prozent der IT-Verantwortlichen nennen Datensicherheit als Hürde beim Wiederverkauf oder Recycling ausgemusterter Drucker (HP Wolf Security 2025), da sich noch sensible Dokumente auf den Festplatten befinden. Ein professionell verwalteter Gerätepark löst genau dieses Problem. Er ist sicherer, verbraucht weniger Material und lässt sich am Ende datensicher und ressourcenschonend entsorgen. Sicherheit und Nachhaltigkeit gehen hier Hand in Hand.
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Mit PRINT SHEELD sichern wir Ihre Druckinfrastruktur herstellerunabhängig ab. Zu unseren Leistungen gehören Zugriffsschutz und Follow-Me-Printing, verschlüsselte Datenwege, ein zentrales Firmware- und Patch-Management mit proaktivem Monitoring sowie NIS-2-konforme Prozesse mit revisionssicherer Dokumentation. Beim Austausch alter Geräte löschen wir die Speicher datensicher. So wird aus Druckersicherheit ein durchgängiger Prozess von der Beschaffung bis zur Ausmusterung.
Fazit
Der Drucker ist ein vollwertiger Computer, der auf sensible Daten zugreifen kann, aber selten entsprechend abgesichert wird. Genau diese Lücke zwischen Wahrnehmung und Praxis macht ihn zum Risiko. Am Budget scheitert es dabei selten und der Weg heraus ist überschaubar. Man muss nur Bestand aufnehmen, die Grundlagen absichern, Prozesse wie Follow-Me-Printing etablieren und die Druckinfrastruktur fest in NIS 2 und Datenschutz verankern. Wer in dieser Reihenfolge vorgeht, schließt die größte Lücke oft schon in wenigen Tagen und senkt nebenbei den Materialverbrauch und die Kosten.
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Häufig gestellte Fragen zur Druckersicherheit
Warum sind Drucker ein Sicherheitsrisiko?
Moderne Drucker sind vernetzte Computer mit Festplatte, Firmware und Netzwerkzugang. Ohne Absicherung dienen sie als Einstieg ins Firmennetz oder geben gespeicherte Dokumente preis. 2024 meldeten 67 Prozent der Unternehmen Datenverluste über Drucker (Quocirca).
Was ist der einfachste erste Schritt zu mehr Druckersicherheit?
Das Standard-Administratorpasswort ändern und die Firmware aktualisieren. Beides kostet fast nichts und schließt die am häufigsten ausgenutzten Lücken.
Was ist Follow-Me-Printing?
Beim Follow-Me-Printing wird ein Druckauftrag zentral zurückgehalten und erst ausgegeben, wenn sich die Person am Gerät anmeldet. So bleibt kein vertrauliches Dokument im Ausgabefach liegen.
Fällt Druckersicherheit unter die DSGVO?
Ja. Ein Drucker, der personenbezogene Daten verarbeitet oder speichert, unterliegt der DSGVO und dem BDSG. Ungesicherte Geräte können zu meldepflichtigen Datenschutzvorfällen führen.
Betrifft NIS 2 auch Drucker?
Ja. NIS 2 verlangt ein Risikomanagement über die gesamte IT. Vernetzte Drucker gehören dazu und müssen in die Bewertung der Angriffsfläche einfließen.

