Colocation bezeichnet die Unterbringung eigener Server und Netzwerk-Hardware in einem externen, professionell betriebenen Rechenzentrum. Das Unternehmen behält die volle Kontrolle über seine Geräte, mietet aber Stellfläche, Strom, Kühlung und Netzanbindung eines spezialisierten Betreibers. So spart es sich Bau und Unterhalt eines eigenen Serverraums. Für den Mittelstand ist das häufig wirtschaftlicher und sicherer als eine Lösung im eigenen Haus. Dieser Beitrag erläutert, wie das Modell arbeitet, welche Vorteile und Grenzen es hat, wie es sich von Cloud und eigenem Rechenzentrum abgrenzt und welche Rolle Energieeffizienz dabei spielt.
Was ist Colocation?
Colocation, oft auch als Server-Housing bezeichnet, ist ein Dienst eines Rechenzentrums. Ein Betrieb stellt seine eigene Hardware in ein fremdes Rechenzentrum und mietet dort die benötigte Umgebung. Dazu zählen Stellfläche im Rack, redundante Stromversorgung, Klimatisierung und die Anbindung ans Internet. Die Server bleiben Eigentum des Kunden. Der Anbieter liefert nur die Infrastruktur drumherum, nicht die Rechner selbst.
Der Begriff ist nicht eindeutig, und das sorgt regelmäßig für Verwirrung. Im IT-Umfeld meint Colocation das beschriebene Unterbringen eigener Server. In der Energiewirtschaft steht derselbe Ausdruck für die Kopplung einer Erzeugungsanlage mit einem Batteriespeicher am gleichen Netzanschlusspunkt. Hier geht es ausschließlich um die IT-Bedeutung.
In der Praxis mieten Organisationen entweder einzelne Höheneinheiten in einem geteilten Rack, ein komplettes Rack oder einen abgeschlossenen Käfig für mehrere Schränke. Der Umfang richtet sich nach der Menge an Hardware und dem Sicherheitsbedarf. Kleine Firmen starten oft mit wenigen Höheneinheiten. Große Anwender belegen ganze Raumzellen.
Wie funktioniert Colocation im Rechenzentrum?
Ein Colocation-Rechenzentrum ist auf Dauerbetrieb ausgelegt. Es stellt genau die Rahmenbedingungen bereit, die ein Serverraum im Büro selten dauerhaft erreicht. Das betrifft Versorgung, Anbindung und physischen Schutz gleichermaßen.
Stellfläche und Stromversorgung
Die Hardware steht in genormten 19-Zoll-Racks. Der Betreiber sichert die Stromzufuhr über mehrere unabhängige Einspeisungen und eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) ab. Fällt das öffentliche Netz aus, übernehmen Batterien und Dieselgeneratoren. Diese Redundanz sorgt für Hochverfügbarkeit, die ein einzelner Serverschrank im Unternehmen kaum bietet. Präzisionsklimaanlagen halten Temperatur und Luftfeuchte konstant. Ohne stabile Kühlung überhitzt jede dichte Hardware-Packung.
Netzanbindung und Zugriff
Colocation-Rechenzentren verfügen über redundante Glasfaseranbindungen mehrerer Provider. Das hält die Konnektivität auch beim Ausfall einer Leitung aufrecht. Der Zugang ist streng geregelt: Zutrittskontrollen, Videoüberwachung und Vereinzelungsanlagen schützen die Racks rund um die Uhr. Viele Anbieter ergänzen sogenannte Remote-Hands-Dienste. Techniker vor Ort erledigen dann einfache Handgriffe, etwa einen Neustart oder den Tausch eines Datenträgers. Welche Reaktionszeiten und Verfügbarkeiten gelten, hält ein Service Level Agreement vertraglich fest.
Welche Vor- und Nachteile hat Colocation?
Colocation verbindet die Kontrolle über eigene Hardware mit der Betriebssicherheit eines professionellen Rechenzentrums. Der Preis dafür ist eine gewisse Abhängigkeit vom Standort und vom Anbieter. Die folgende Übersicht stellt beide Seiten gegenüber.
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Keine Investition in eigenen Serverraum, Klimatisierung und Notstrom | Anfahrt zum Rechenzentrum bei physischen Arbeiten nötig |
| Hochverfügbarkeit durch redundanten Strom, Kühlung und Anbindung | Laufende Mietkosten für Stellfläche und Strom |
| Volle Kontrolle über die eigene Hardware und Software | Abhängigkeit von den Sicherheits- und Servicestandards des Betreibers |
| Hohe physische Sicherheit und geregelte Zutrittskontrolle | Wechsel des Anbieters ist mit Umzug der Hardware verbunden |
| Skalierbarkeit von einzelnen Höheneinheiten bis zum eigenen Käfig | – |
| Meist bessere Energieeffizienz als ein kleiner Serverraum | – |
Colocation im Vergleich zu Cloud und eigenem Rechenzentrum
Wer Infrastruktur betreiben will, hat grundsätzlich drei Wege. Beim eigenen Rechenzentrum im Haus (On-Premises) gehören Hardware und Gebäudetechnik dem Unternehmen. Das bringt maximale Kontrolle, aber auch hohe Investitionen und vollen Betriebsaufwand. Am anderen Ende steht das Cloud-Modell: Hier mietet man reine Rechenleistung, die Hardware bleibt unsichtbar beim Anbieter.
Colocation liegt bewusst dazwischen. Die Hardware gehört weiterhin dem Kunden, nur die Gebäudeinfrastruktur kommt vom Betreiber. Das unterscheidet Colocation klar von Infrastructure as a Service (IaaS), bei dem auch die Server dem Provider gehören und virtuell bereitgestellt werden. Für Organisationen mit vorhandener, spezieller oder lizenzgebundener Hardware ist dieser Mittelweg oft ideal. Sie behalten ihre Systeme. Trotzdem entfällt der eigene Serverraum.
In der Praxis kombinieren viele Betriebe die Ansätze. Sie betreiben geschäftskritische Systeme per Colocation und lagern flexible Lasten in eine private Cloud aus. Diese hybride Aufstellung verteilt Risiken und Kosten.
Wie nachhaltig ist ein Colocation-Rechenzentrum?
Rechenzentren in Deutschland verbrauchten 2023 rund 20 Terawattstunden Strom, das entspricht etwa vier Prozent des gesamten deutschen Strombedarfs (Quelle: Umweltbundesamt). Der Bedarf wächst weiter. Genau deshalb entscheidet der Standort mit über die Ökobilanz Ihrer IT.
Die zentrale Kennzahl ist die Power Usage Effectiveness (PUE). Sie setzt den Gesamtstromverbrauch eines Rechenzentrums ins Verhältnis zum reinen Verbrauch der IT-Systeme. Ein Wert nahe 1,0 bedeutet, dass fast die gesamte Energie tatsächlich für Rechenleistung genutzt wird und wenig für Kühlung oder Verluste verlorengeht. Das deutsche Energieeffizienzgesetz (EnEfG) schreibt Grenzwerte vor: Bestandsrechenzentren müssen ab Juli 2027 eine PUE von höchstens 1,5 erreichen und ab Juli 2030 von höchstens 1,3, Neubauten dürfen 1,2 nicht überschreiten (Quelle: Bitkom).
Ein moderner Colocation-Betreiber erreicht solche Werte meist deutlich leichter als ein kleiner Serverraum im Büro. Große Anlagen nutzen effiziente Kühlkonzepte, beziehen zunehmend Grünstrom und speisen Abwärme in Wärmenetze ein. Für Ihr Unternehmen bedeutet das konkret: Der Umzug in ein energieeffizientes Rechenzentrum kann den CO₂-Fußabdruck der IT senken, ohne dass Sie selbst investieren müssen. Wie sich das in eine ganzheitliche, nachhaltige IT-Infrastruktur einfügt, hängt vom Gesamtkonzept ab. Ein grüner Standort allein macht noch keine grüne IT.
Für welche Unternehmen lohnt sich Colocation?
Colocation passt besonders zu Betrieben, die bereits in eigene Server investiert haben und diese weiter nutzen möchten. Auch Organisationen mit hohen Anforderungen an Datenschutz und physische Kontrolle profitieren. Sie behalten ihre Hardware in einem zertifizierten Umfeld, statt sie einem reinen Cloud-Anbieter zu überlassen.
Für den Mittelstand ist oft der wirtschaftliche Aspekt entscheidend. Ein eigener, ausfallsicherer Serverraum mit Notstrom und Klimatechnik bindet viel Kapital. Colocation macht diese Kosten planbar und verlagert das Betriebsrisiko. Wächst der Bedarf, lässt sich die gemietete Fläche schrittweise erweitern. Diese Skalierbarkeit ist ein wesentlicher Grund für den Umstieg.
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Zusammenfassung
Colocation bedeutet, eigene Server in einem externen, professionell betriebenen Rechenzentrum unterzubringen und dort Stellfläche, Strom, Kühlung und Anbindung zu mieten. Das Modell verbindet die volle Kontrolle über die eigene Hardware mit der Hochverfügbarkeit und physischen Sicherheit eines spezialisierten Standorts. Gegenüber der Cloud behalten Unternehmen ihre Geräte, gegenüber dem eigenen Serverraum sparen sie Investitionen und Betriebsaufwand. Wer auf Energieeffizienz achtet, sollte einen niedrigen PUE-Wert und Grünstrom berücksichtigen. Für viele mittelständische Betriebe ist Colocation damit ein wirtschaftlicher und nachhaltiger Mittelweg.
Häufig gestellte Fragen zu Colocation
Was ist Colocation auf Deutsch?
Eine gängige rein deutsche Übersetzung gibt es nicht. Gemeint ist die Unterbringung eigener Server in einem fremden, professionell betriebenen Rechenzentrum. Der ebenfalls verbreitete Begriff Server-Housing ist wie Colocation selbst ein englischer Fachbegriff.
Was sind die Nachteile von Colocation?
Für physische Arbeiten an der Hardware ist eine Anfahrt zum Rechenzentrum nötig, sofern kein Remote-Hands-Dienst genutzt wird. Zudem fallen laufende Mietkosten an, und das Unternehmen ist von den Standards des Betreibers abhängig. Ein späterer Anbieterwechsel bedeutet immer einen physischen Umzug der Server.
Was kostet Colocation?
Die Kosten richten sich vor allem nach der gemieteten Fläche, dem Strombedarf der Hardware und den gebuchten Zusatzleistungen. Einzelne Höheneinheiten sind günstiger als ein komplettes Rack oder ein abgeschlossener Käfig. Höhere Anforderungen an Redundanz und Sicherheit erhöhen den Preis entsprechend.
Was ist der Unterschied zwischen Colocation und Cloud?
Bei Colocation gehört die Hardware weiterhin dem Unternehmen, nur die Gebäudeinfrastruktur wird gemietet. Beim Cloud-Modell mietet man dagegen reine Rechenleistung, während die Server dem Anbieter gehören und virtuell bereitgestellt werden. Colocation bietet mehr Kontrolle, die Cloud mehr Flexibilität.
Für welche Unternehmen lohnt sich Colocation?
Colocation eignet sich für Organisationen, die bereits eigene Server besitzen und weiter nutzen möchten, aber keinen eigenen sicheren Serverraum betreiben wollen. Auch Betriebe mit hohen Anforderungen an Datenschutz und Verfügbarkeit profitieren. Für den Mittelstand macht das Modell Infrastrukturkosten planbar und skalierbar.

