Im folgenden finden Sie einen Auszug aus dem Interview. Den kompletten Beitrag finden Sie hier oder als PDF zum Download.
Große: Sie sind in den vergangenen Jahren rasant gewachsen – gegen alle konjunkturellen Widerstände. Würden Sie ein Unternehmen wie GREEN IT heute in Deutschland noch einmal gründen?
Stäwen: Definitiv! Ich bin ein großer Fan des Mittelstands. Ich vertraue auf seine Innovationskraft und Fertigkeiten. Wir als mittelständisches IT-Unternehmen fühlen uns in diesem Umfeld sehr wohl. Natürlich geht die wirtschaftliche Realität auch an uns nicht spurlos vorbei. Aber insgesamt merken wir, dass die Zugkraft derzeit aus dem Mittelstand kommt.
Große: Hierzulande wird häufig die Digitalisierung als großer Hemmschuh gesehen. Wie sehen Sie das?
Stäwen: Wir hier in Dortmund haben uns in den letzten Jahren extrem gut entwickelt. Wir haben viele spannende neue Tech-Unternehmen in der Region gewonnen, zudem die TU Dortmund, die ein großer Förderer von Automatisierung und Digitalisierung ist.
Es gibt zahlreiche interessante Start-ups, die sich hier ansiedeln – gerade auch im Bereich KI. In Deutschland gibt es aber immer noch viele dunkle Flecken. Da gibt es viel zu tun, vor allem im Bereich der Netzabdeckung und der Infrastruktur.
Große: Mit dem Digitalisierungstempo verändern sich viele Berufsbilder rasant. Welche haben sich bei GREEN IT im Vergleich zu früher am stärksten verändert?
Stäwen: Heute befinden wir uns in einem vollständig digitalisierten Umfeld. Wir wollen für unsere Kunden 24/7 erreichbar sein – das geht nicht mehr mit klassischem Support. Dafür braucht man KI-Tools, die unterstützen.
Gleichzeitig ermöglichen wir unseren Kunden, kleinere Service-Anliegen ganz einfach selbst zu erledigen. In unserer Self-Service-Videoreihe finden sie klare und leicht verständliche Anleitungen, mit denen sie zum Beispiel eine Trommel selbst einbauen können.
Der Techniker vor Ort wird so oft gar nicht mehr benötigt. All das führt dazu, dass sich das Berufsbild stark verändert hat. Der Techniker ist längst nicht mehr nur der „Schrauber“, der etwas repariert. Er muss sich mit neuen Technologien auseinandersetzen und ihre Einsatzmöglichkeiten kennen.
Große: Früher stand das Gerät im Mittelpunkt – heute sind es die Prozesse. Wie gelingt der Übergang vom klassischen MFP-Geschäft zu einem nachhaltigen, IT-, Print- und Prozessmanagement?
Stäwen: Durch das Verknüpfen von Geschäftsfeldern. Das System darf heute nicht mehr isoliert betrachtet werden. Es ist keine reine Hardware, sondern eine Output-Lösung, die über Prozesse gesteuert wird. Unsere Strategie ist es, die verschiedenen Themen und Herausforderungen eines Kunden miteinander zu verbinden – nicht nur als Gesamtprozess, sondern als Gesamttechnologie. Es geht nicht nur um den Techniker, der den Kopierer konfiguriert und installiert, sondern auch um die Person, die die Installation der Microsoft Software auf den Arbeitsplatzrechnern oder dem Server umsetzt. Beide sind in den Gesamtprozess involviert, gemeinsam mit dem Kunden, der diesen Prozess später in seinem Arbeitsalltag nutzt.
Große: Digitalisierung, Automatisierung und Nachhaltigkeit verändern auch die Tätigkeiten der Mitarbeitenden. Wie begleiten Sie diese in diesem Wandel?
Stäwen: Für uns ist entscheidend, dass wir unsere Kolleginnen und Kollegen zu Mitgestaltern dieses Wandels machen. Wir motivieren unsere Teams, eigene Vorschläge einzubringen. Gleichzeitig wollen wir die langjährige Erfahrung unserer Mitarbeitenden bewahren. Deshalb bringen wir erfahrene und jüngere Kolleginnen und Kollegen gezielt zusammen, um den Wissenstransfer zu fördern. Nicht alles soll über digitale Tools laufen. Die Hands-on-Mentalität bleibt ein wichtiger Teil unserer Unternehmenskultur.
Große: Welche Fähigkeiten sind in Zukunft besonders gefragt?
Stäwen: Die Kundenkommunikation steht an erster Stelle. An zweiter Stelle steht das Nachhaltigkeitsverständnis – Nachhaltigkeit gehört bei uns zum täglichen Handeln. An dritter Stelle nenne ich das Prozessdenken. Es ist unglaublich wichtig, dass ein Techniker oder Mitarbeiter vor Ort nicht nur isoliert auf eine Maschine schaut, sondern versteht, welchen Beitrag diese Maschine zum gesamten Prozess des Kunden leistet.
Große: Wie fördern Sie diese Fähigkeiten bei Ihren Mitarbeitenden?
Stäwen: Als erstes durch fachliche Unterstützung im Alltag. Erfahrene Kolleginnen und Kollegen unterstützen die weniger erfahrenen. Darüber hinaus haben wir unseren digitalen GREEN IT Campus mit fast 200 Schulungen. Drittens legen wir großen Wert auf Transferkontrolle und Feedback. Und schließlich sind wir ISO-zertifiziert. Dadurch haben wir strukturierte Qualifizierungspläne, die sicherstellen, dass unsere Mitarbeitenden auf dem neuesten Stand bleiben.
Große: Nachhaltigkeit ist bei Ihnen Teil der DNA. Wie sieht das in der Praxis aus?
Stäwen: Wir müssen uns in Zeiten von Greenwashing an hohen Maßstäben messen lassen. Wir haben erhebliche Investitionen getätigt, zum Beispiel in unsere GREEN IT Cloud, um ein nachhaltiges Produkt zu entwickeln und zu vermarkten. Darüber hinaus fördern wir ökologische Projekte und geben unseren Kolleginnen und Kollegen einen klaren Wertekompass. Nachhaltigkeit bedeutet aber nicht nur ökologische Verantwortung. Wir legen ebenso großen Wert auf den sozialen Aspekt. Soziales Engagement bedeutet, Verantwortung zu übernehmen: für unser Umfeld, für unsere Mitarbeitenden und auch für den Umgang mit sensiblen Daten.
Große: Wie erkennen Sie, ob jemand zu Ihrem Unternehmen und dieser Unternehmenskultur passt?
Stäwen: Unser Team soll sich bei uns wohlfühlen. Dafür bieten wir viele Möglichkeiten – von gemeinsamen Aktivitäten bis zu internen Angeboten, die das Miteinander stärken. Darüber hinaus ist uns wichtig, dass das soziale und ökologische Engagement, das wir leben, auch von unseren Mitarbeitenden mitgetragen wird. Schon im Bewerbungsgespräch sagen wir offen, worauf wir Wert legen. Wenn wir merken, dass jemand sich nicht in dieses soziale oder ökologische Gefüge einfügen möchte oder unsere Werte nicht teilt, dann sprechen wir das offen an.
Große: Unternehmenskultur ist das eine, Markenbildung das andere. Wie binden Sie Ihre Teams in die Markenbildung ein?
Stäwen: Es gibt bei uns viele Projekte, die nicht von der Geschäftsführung geleitet werden. So möchten wir unsere Kolleginnen und Kollegen gezielt motivieren, eigene Initiativen zu ergreifen und Verantwortung zu übernehmen. Ein gutes Beispiel ist unsere Nachhaltigkeitszertifizierung nach SBTi. Das wurde komplett von Mitarbeitenden umgesetzt – und am Ende haben sie für GREEN IT das Zertifikat erhalten. Darauf sind wir stolz, denn das zeigt, dass unsere Mitarbeitenden nicht nur verstehen, was wir nach innen leben, sondern diesen Anspruch auch nach außen tragen. Genau das verstehen wir unter gelebter Markenbildung.
Große: Sie investieren massiv in Ausstattung, Flexibilität und Weiterbildung. Welche Maßnahmen hatten bisher den größten Effekt auf Zufriedenheit und Motivation Ihrer Mitarbeitenden?
Stäwen: Ich bin überzeugt, dass unser digitaler GREEN IT Campus einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren ist. Die Möglichkeit, dass jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter – unabhängig von Position oder Standort – eigene Schulungen buchen und sich individuell weiterbilden kann, ist enorm motivierend. Viele entdecken dort Themen, die über ihren eigentlichen Arbeitsbereich hinausgehen. Dieses selbstbestimmte Lernen fördert Offenheit und Weiterentwicklung. Darüber hinaus haben wir stark in unsere Gebäudeinfrastruktur investiert, um einen Ort zu schaffen, an dem man sich wohlfühlt. Es gibt eigene Aufenthaltsbereiche, eine schöne Dachterrasse zum gemeinsamen Grillen am Abend, und zahlreiche Freizeitangebote: eine Fahrradgruppe, ein Drachenbootteam, eine Padel-Gruppe. Wir fördern außerdem Modelle wie „Workation“, bei denen Mitarbeitende Arbeit und private Urlaubszeit kombinieren können. Für unsere Auszubildenden haben wir das Erasmus-Programm gestartet, damit sie Teile ihrer Ausbildung im Ausland absolvieren können. Und schließlich setzen wir stark auf Flexibilität – insbesondere, um verschiedenen Lebenssituationen gerecht zu werden. Diese Flexibilität, kombiniert mit Weiterbildung und Eigenverantwortung, schafft Zufriedenheit und stärkt das Zugehörigkeitsgefühl.
Große: Sie haben sicher auch mit dem Fachkräftemangel zu tun. Wenn Sie neue Mitarbeitende suchen: Was ist Ihnen wichtiger – Haltung oder ein perfekter Lebenslauf?
Stäwen: Natürlich sehen wir uns die Unterlagen an. Aber wenn jemand im Gespräch überzeugt, authentisch auftritt, Respekt und Verantwortungsbewusstsein zeigt, dann ist uns das wichtiger als perfekte Noten. Engagement und Haltung sind entscheidend.
Große: Wie gelingt es Ihnen, Menschen für Vertrieb und Technik zu begeistern?
Stäwen: Wir investieren stark in Quereinsteiger-Programme. Wir geben Menschen mit technischem Grundverständnis, aber ohne Branchenerfahrung, die Möglichkeit, bei uns in die Technik einzusteigen. Diese Mitarbeitenden bekommen intensive Schulungen und werden gezielt auf ihren neuen Aufgabenbereich vorbereitet. Im Vertrieb läuft es ähnlich. Auch dort bieten wir Trainings und Bootcamps für Quereinsteiger an. Darüber hinaus arbeiten wir stark an unserer Arbeitgebermarke. Wir sind auf Schulen, Ausbildungsmessen und Jobbörsen präsent, gehen frühzeitig auf junge Menschen zu und zeigen, was wir bieten. Bei uns bekommt man nicht nur einen Job, sondern ein Gesamtpaket: flexible Arbeitszeiten, vermögenswirksame Leistungen, betriebliche Altersvorsorge, Office-Dog-Möglichkeit und vieles mehr.
Große: Warum entscheiden sich Bewerberinnen und Bewerber für GREEN IT?
Stäwen: Zunächst einmal liegt es an unserer persönlichen Ansprache schon im Vorfeld. Wir geben ihnen die Möglichkeit, uns kennenzulernen, unser Unternehmen zu erleben, einen Eindruck von der Atmosphäre zu bekommen. Ich glaube aber auch, dass wir als mittelständisches IT-Systemhaus einfach eine starke Perspektive bieten. Bei uns kann man sich entfalten, weiterentwickeln und auch in Bereiche hineinwachsen, an die man heute vielleicht noch gar nicht denkt. Wir sind ein Unternehmen, das stark wächst. Viele Positionen und Technologien entstehen gerade erst und können aktiv mitgestaltet werden. Das ist für junge Leute besonders spannend – aber auch für erfahrene Kolleginnen und Kollegen, die Lust auf Veränderung haben.
Große: Wo sehen Sie GREEN IT in zehn Jahren?
Stäwen: Am liebsten als CO₂-neutrales Systemhaus – das ist eines unserer großen Ziele. Und wir wollen weiterwachsen, aber gezielt – mit Fokus auf Qualität, Technologie und Freude an der Arbeit.
Große: Vielen Dank für das Gespräch.
Stäwen: Sehr gerne.
Bildtext:
Von links nach rechts:
Florian Stäwen, Jan Schriewer, Thomas Lesser alle drei Geschäftsführer und Partner
Bildnachweis:
GREEN IT, Fotografin Silvia Kriens